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Alpenzorros Reiseberichte

Rockymountix - von Mexiko nach Kanada

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@handynetzsucher, die bereiche ohne netzabdeckung sind wirklich riesengroß, da kann man bayern ohne weiteres ein paar mal reinpacken. und natürlich fahr ich ziemlich genau durch die weissen stellen: ist doch klar, dort ist das land am schönsten und wildesten. alternative wären die highways und große städte, wer will denn sowas?!

abgesehen davon ist die netzabdeckung im moment leider immer noch ein sekundäres problem. ich bin gar nicht mobil online, internet über handy mit bluetooth-kopplung klappt im land der unbegrenzten möglichkeiten nicht. sofern ihr auf diesem gebiet absolute experten seid, könnt ihr's mal bei howard mit weiteren recherchen probieren. wenn überhaupt das wissen steckt dort irgendwo vergraben, nicht hier :/. die fertige lösung hätte ich anschliessend gerne auf einem silbertablett (dh per email) serviert. danke :-).

@wetterwinsler, ich beneide euch!! mir gehen im moment die lichter aus vor hitze, dreissig grad kälter wären wirklich gut.
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06.05. 20:00 Windy Ridge am Mount Lemmon, 2000m

"Bikepacking" ist das amerikanische Wort für Crosscountry-Radltouren abseits von Strassen und Orten. Und beim Guru der Bikepacking-Szene von Arizona hab ich heute einen Termin. Scott plant mir quasi die Route bis an die Grenze zu Utah. Die meiste Zeit werde ich mich über den "Arizona Trail" (AZT) nach Norden kämpfen. Das ist sowas ähnliches wie ein Weitwanderweg, teils auf schmalen Pfaden, teils auf Jeeproads, meistens sehr wild und fast immer einsam und trocken. Die Spur zieht sich von der mexikanischen Grenze durch ganz Arizona bis hinauf nach Utah, wie viele Meilen das sind möcht ich gar nicht wissen.

Viele Abschnitte dieses Trails eignen sich recht gut für Mountainbikes, problematisch sind allerdings die sogenannten "Wilderness"-Naturschutzgebiete: da darf man die Wege nach Belieben mit riesigen vierfbeinigen Huftieren zertrampeln, aber ein kleines leichtes Mountainbike ist nicht mal auf der Schulter erlaubt. Hilft nix, Pferde gab's in Amerika halt schon immer und die Radler haben in solchen Fragen keinerlei Chance gegen die alteingessene Cowboylobby. Mein Arizona Trail macht deswegen einige Umwege, aber die braucht man schlussendlich sowieso zur Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser.

Details zum AZT und zu anderen Bikepackingrouten in den USA findet ihr auf Scott's Website. Dort im Forum (ultraracing) läuft auch gerade ein Thread über ein aktuelles Radrennen auf dem Arizona Trail. Ein paar verrückte Amis machen sowas auf Zeit, vielleicht ist der erste schon in Utah angekommen. Der hat's gut... :-)

Meine Bemühungen zum Thema Online-mit-Handy gebe ich im Laufe des Nachmittags auf. Bin schließlich in erster Linie zum radeln hier, nicht um gehackten Betriebssysteme in Telefone hineinzuflashen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, vielleicht starte ich irgendwann nochmal einen Versuch. Aber jetzt will ich endlich losfahren!

Scott organisiert mir am frühen Abend noch ein Autoshuttle mit zwei lokalen Bikern auf den Berg. Und so kann ich ohne weitere Anstrengung mein Nachtlager an den Hängen des Mount Lemmon auf etwa 2000m Höhe errichten.


Slickrock-Schlafplatz am "Windy Ridge" hoch über Tucson.


Endlich fort, die gnadenlose Sonne.

Tagsüber kann man's eigentlich kaum aushalten, eine kleine Hitzewelle scheint die Gegend zur Zeit im Griff zu haben. "High Nineties" im Schatten (selber umrechnen), aber Schatten gibt's auf dem Bike natürlich so gut wie keinen.

Nachts auf 2000m Höhe werden die Temperaturen trotzdem einstellig (auf der richtigen Skala), da freue ich mich doch über meinen Neuwerb:


900er Daune von glücklichen polnischen Spezialgänsen.

Das mit dem "glücklich" lassen wir mal dahin gestellt, aber warm ist der "yeti passion three" ganz bestimmt, trotz weniger als 500g Gewicht.

Na dann gute Nacht, morgen gehts in Richtung Kanada!
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07.05. 08:00 Summerhaven am Mount Lemmon, 2400m


Nach einer kurzen Slickrockeinlage am Windy Ridge, ...


.. folge ich dem bereits bekannten Catalina Highway weiter bergauf.


500 gemütliche Straßenhöme bringen mich ins Touridorf "Summerhaven", ...


.. wo ich meine Gelüste nach Frühstück leider nicht befriedigen kann.

Zum Abendessen am Windy Ridge hatte ich mir natürlich einen Burger-Deluxe mit Pommes und Ketchup hinauf shutteln lassen, Frühstück war dann hier oben geplant. Pustekuchen. Noch zwei Stunden warten möchte ich allerdings nicht, die Temperaturen sind im Moment noch sehr angenehm, wenig später wird man ja doch wieder nur gebraten.

Ein Müsliriegel und ein Schluck Wasser müssen als Ersatz für Croissant und Cappuccino herhalten, dann mache ich mich mehr oder weniger hungrig auf den Weiterweg nach Norden.
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07.05. 10:00 Auf dem Oracle Ridge Trail, 2000m


Von Schildern verstehen sie was, die Amerikaner.


Letzte Kontrolle, hab ich auch alles überlebenswichtige dabei?


Egal, jetzt ist's eh zu spät. Ich fahr einfach mal los.


Weiter Blick vom Oracle Ridge hinunter in die wüsten und einsamen Tiefebenen Arizonas.

Wie unschwer zu erkennen ist, stören weder Blätter noch Nadeln die Aussicht. Das große Feuer vor ca. fünf Jahren hat ganze Arbeit geleistet. Einerseits geniesse ich natürlich den Blick, andereseits brutzelt mir die Sonne schon wieder gewaltig auf mein Haupt, selbst vormittags und in beachtlicher Höhe.


Das Feuer hat dem Trail wohl insgesamt nicht besonders gut getan.


Wenn die Amerikaner nur mit der Kettensäge so fleissig wären wie beim Schilder aufstellen.


Mach trotzdem Spaß!


Und die seltsam "angemalten" Baumleichen geben der ganzen Aktion einen interessanten Touch.


Immer weiter entlang des Arizona Trail, hoch oben auf dem Oracle Ridge.


Manchmal fast so schottrig und holprig wie am Lago, ...


.. aber meistens einfach nur mit viel Flow :-)
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07.05. 13:00 Supermarkt in Oracle, 1350m


Noch ein Stückerl traile ich auf dem wunderschönen Oracle Ridge dahin, ...


.. bis ich an einem kleinen Sattel den Chickenexit hinab ins Tal wähle.

Ab hier würde der Kammweg schwieriger, holpriger, mit vielen Schiebepassagen (hike-a-bike im lokalen Slang, einen Waypoint "traverse-of-death" finde ich auch auf meinem GPS). Außerdem ginge es erst mal eine ganze Weile bergauf, da hat mein ungefrühstückter Magen etwas dagegen. Ein paar Notriegel und etwas Kaugummi und Kekse wären zwar noch vorhanden, aber so richtig toll ist die Vorratslage im Moment nicht.


Der holprige Karrenweg wird schon bald zu einer gut ausgebauten Dirtroad, die mich in weiten Schleifen hinab in die heisse Tiefebene führt.


Hoppla, was ist den jetzt los. Wasser?! Ich glaub ich hab mich verfahren. Aber trinken sollte man aus dem Tümpel vielleicht besser nicht.


Die Wüste lebt!


Und hübsch ist sie außerdem.


Manchmal allerdings auch ganz schön stachlig.

Immer weiter rolle ich bergab, das kurze grüne Intermezzo ist schon bald vergessen. Die Temperatur steigt auf sportliche 45 Grad in der Sonne und meine Flüssigkeitsvorräte schwinden rapide.


Zu allem Überfluss mutiert mein Downhill des öfteren zum Uphill, viele Wellen wollen bezwungen werden und dutzende kleine Täler sind auszufahren.

Topografie und Temperatur geben mir ganz schön zu knabbern. Wird wohl noch ein bisserl dauern, bis ich mich an die Verhältnisse hier gewöhnt habe. Die zehn Kilo Übergewicht der langen Wintersaison helfen dabei auch nicht wirklich, Specki und Plauzi sind mal wieder zusammen auf Tour. Naja, wenigstens dieses Problem wird sich schon bald von alleine lösen.


Endlich erreiche ich langsam aber sicher wieder bewohnte Gegenden. 1-800-LEAVETHEUSA?! Not yet, aber ich bin immerhin auf dem Weg zur Grenze.

In der größten Mittagshitze erreiche ich das Nest "Oracle" und flüchte mich in den ersten (und einzigen) Supermarkt, der mit drei Tischen und ein paar Automaten vor der zweiten Eingangstür ebenso als Kaffee und Bar des Ortes fungiert.


Die Rettung!

Hier bringen mich heute keine zehn Pferde mehr raus!
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07.05. 19:45 Oracle, Supermarktbar

So lang war ich noch in keinem Supermarkt.


Aber mit ein paar Tischen, diversen Coke- und Kaffeeautomaten, einem Bücher- und einem Kuchenregal ists eigentlich ganz gemütlich. Und vor allem klimatisiert!

Außerdem kenn ich jetzt alle Angestellten mit Vornamen, wurde zu diverseln Leckerlis aufs Haus eingeladen und eine freundliche Lady aus Kassel (Muttersprache allerdings schon fast vergessen) schreibt was über mich in ihrer Kolumne im lokalen Oracle-Blättchen :-).

Weitere Planung? Gemütliche Nacht auf einem Picknicktisch im Ort unterm Sternenhimmel, morgen dann möglichst früh mit dem ersten Tageslicht so ab fünf die nächste Etappe angehen. Spätestens mittags hätte ich gern wieder ein kühles Platzerl irgendwo, dann steigt die Verbrutzelungsgefahr rapide. Dafür muss ich den Arizona Trail wohl ein Stück verlassen und dann wieder zurück, aber das läuft hier sowieso unter "resupply". Je mehr Wasser man transportieren kann und je leidensfähiger man ist, desto direkter fährt man durch. Bei mir haperts wohl derzeit an beidem. Andererseits muss ich mir ja sowieso offene WLAN-Netze für den Report suchen, dafür kann schon mal ein kleiner Fünfzigmeilenschlenker drin sein :-).
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08.05. 04:30 Picknicktische beim Oracle Community Center


Ruhig, gemütlich, sauber, direkt im Ort. Was will man mehr?

Ganz unentdeckt bleibe ich allerdings nicht.
Irgendwann spät abends kommt der Truck des Sherrifs vorbei und leuchtet mir ins Gesicht. Läuft aber alles easy, nach einem kurzen Schwätzchen zieht er wider von dannen. War wohl zufrieden damit, statt eines Brecheisens nur ein Mountainbike und einen "crazy german" (Zitat) vorgefunden zu haben.

Zum Frühstück in die nette Supermarktbar, das funktioniert allerdings nicht. Früher Start ist Pflicht heute, so um fünf werde ich mit der einsetzenden Morgendämmerung auf dem Radl sitzen. Und dann heißt's wieder...

.. ab in die Wüste!
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08.05. 08:00 Frühstückpause auf dem Arizona-Trail, 1100m


Von Oracle rolle ich morgens um fünf ein paar Meter hinunter in Richtung Wüste...


.. und biege dann ab auf den Arizona Trail.


Es folgt ein Saguaro-Singletrack-Sahneschnittchen der Extraklasse. Ein unglaublich flowiges S1-Wegerl schlängelt sich in weiten, schnellen Kurven durch fantastische Gegend.


Ab und zu gehts natürlich auch bergauf, das bringt die Topografie hier so mit sich. Die Steigungen sind allerdings minimal, selbst ich als Bergauf-Trail-Hasser kurble einfach weiter. Beinahe gefällt's mir sogar, und das will was heissen :-).

Ich verbringe wohl über eine Stunde auf dem Weg durch die Kaktuswüste und muss nicht ein einziges Mal absteigen. Bis auf...


.. eine kleine Notbremsung. Was legt sich mir denn hier vor die Reifen?! Dabei dachte ich doch, die Schlangengeschichten wären alle mehr oder weniger Anglerlatein.

Das Kriechtier ist allerdings nicht besonders beeindruckt von meinen blockierenden Reifen, guckt nur kurz gelangweilt zu mir hoch und schleicht dann vom Weg. Hat vielleicht noch gepennt und wollte sich grad mit den ersten Sonnenstrahlen sein kaltes Blut aufheizen. Sorry wegen der Störung.


Geklappert hat's auch nicht. Oder ist das gar keine fiese Rattlesnake sondern irgendwas anderes, liebes, ungiftiges? Kenn mich mit den Getieren in Bodenhöhe nicht so aus, Biologen vor. Hätte das weh getan?

Irgendwo hab ich mal gelesen, dass eine Klapperschlangenbehandlung über 100.000E kostet. Das Antiserum muss verdammt teuer sein und man braucht recht viel davon. Ob Schlangenbisse wohl in der Alpenvereins-Bergsportversicherung mit eingeschlossen sind? Ich möcht's lieber nicht probieren. Die Frage ist sowieso, woher kommt Hilfe im Falle eines Falles? Handynetz natürlich Fehlanzeige und selber soll man sich ja möglichst nicht mehr bewegen? Oder doch? Was tun? Abbinden und stundenlang zurück humpeln? Klärt mich doch mal auf.


Auf den Schreck gönne ich mir erst mal ein ein kleines Frühstück in der Mitte von Nirgendwo. Vorher wird der Lagerplatz natürlich auf Kriechtiere durchgecheckt.
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